AnyRoad69 Apple Rooftop

 Anmeldungsdatum: 25.03.2005 Beiträge: 5526 Wohnort: Neuruppin
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Verfasst am: 05.08.2005, 19:43 Titel: DDR Bands und Künstler Live in Hamburg |
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So klang Rock 'n' Roll in der DDR
Ostrock im Stadtpark: Die Puhdys, Karat und Ute Freudenberg treten am 14. August open air in Hamburg auf.
Von Egbert Nießler
Hamburg - Die Frage "Stones oder Beatles?" stellte sich östlich von Werra, Harz und Elbe nur theoretisch. Weder waren die Originale noch ihre Tonträger in der DDR zu sehen oder zu hören. Die Alternative lautete in den Anfängen des Ostrocks eher "Renft oder Puhdys". Mit der Leipziger Klaus-Renft-Combo war es 1975 zu Ende, als sie Mauer, Stacheldraht und Wehrdienst in Frage stellte. Die eine Hälfte wurde in den Westen abgeschoben, die andere machte - weichgespült und stets von Auftrittsverboten bedroht - unter dem Namen "Karussell" weiter. Was blieb, war der Heldenstatus von "Renft".
Eine solche Dissidenten-Ehre blieb den Puhdys stets verwehrt. Sie galten eher als staatsnah und auch musikalisch nicht ganz so verwegen wie die sächsische Konkurrenz. Wie sie heute klingen, das kann man am 14. August beim Ostrock-Festival im Hamburger Stadtpark begutachten.
Dabei begann auch die Geschichte der Puhdys 1969 mit einem Auftrittsverbot für den Bezirk Karl-Marx-Stadt. Die Band, deren Name aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen der damaligen Mitglieder Peter Meyer, Udo Jacob, Harry Jeske, Dieter Hertrampf und einem schmückenden -ys gebildet wurde, spielte lautstark die Titel ihrer Vorbilder Deep Purple, Uriah Heep und Led Zeppelin, brachte das "Tivoli" im erzgebirgischen Freiberg zum Kochen und die verantwortlichen Genossen in Verlegenheit.
Deutsche Titel - damit die Partei wußte, was da gesungen wurde
Der Durchbruch kam, als 150 begeisterte Berufsschüler aus Gardelegen an das DDR-Jugendfernsehen schrieben - und so für den ersten TV-Auftritt der Band sorgten. Doch dafür wollte die Partei deutsche Titel. Sie wollte schon wissen, was da von der Bühne herunter verkündet wurde. "Türen öffnen sich zur Stadt" hieß der erste, noch zu psychedelischen Klängen, die stark an die musikalischen Vorbilder erinnerten. Es folgten Zeilen voller praktischer Lebenshilfe wie "Steige nicht auf einen Baum, wenn du Fische suhuchst" und 1973 die Filmmusik (nicht einmal Soundtracks gab es in der Zone!) zur "Legende von Paul und Paula". Vermutlich fanden viele pubertierende Ossis Angelika Domröse als Paula wesentlich aufregender als die Musik der Puhdys. Die fanden dafür aber den Weg von verschwurbelten Texten und Endlos-Soli zu eingängigen Songs.
Darin waren sie bald so erfolgreich, daß die Kapelle schon 1975 erstmals in Holland, "der BRD" und Westberlin auftreten durfte. Wie bei vielen Bands lag auch das Erfolgsgeheimnis der Puhdys allein in der Summe ihrer Mitglieder. Dieter "Maschine" Birr und Dieter "Quaster" Hertrampf verfügen über Stimmen, die an den Kampf Flex gegen Marmorplatte erinnern, Hertrampf geraten gelegentlich die sechs Saiten seines Instruments zum Dschungel, Peter Meyer beschränkt sein Tastenspiel auf das Notwendigste, die Rhythmus-Sektion war stets stocksolide - zusammen aber klingt es gut genug, um Massen zu begeistern.
Etwa im Rahmenprogramm des Leipziger Turn- und Sportfestes 1982: Als die Puhdys auf der Bühne des Zentralstadions erschienen, stürmten erst die Schüler über die Absperrungen, dann ließen auch die Fahnenträger die Banner des Sozialismus achtlos auf den Fußballrasen sinken und rannten Richtung Boxen. Dank der befreienden Wirkung des Rock 'n' Roll lag ein Hauch von ostzonalem Vormärz in der Luft.
Karat - Peter Maffay machte sie im Westen bekannt
Ruhiger ging es meist bei Karat zu, jener Band, die die verbotene Renft-Kombo im Duell um den Spitzenplatz der beliebtesten DDR-Band beerbte. Erstens war die aus der stark jazzangehauchten Truppe Panta Rhei hervorgegangene Band bei Live-Auftritten meist ungewöhnlich leise. Zweitens bediente sie eher die romantischen Bedürfnisse ihres Publikums. "König der Welt ist das Herz, das liebt. Und jeder Herzschlag ist ein Ritterschlag" - Verse, die auch von Pop-Giganten wie den Kastelruther Spatzen stammen könnten. Am bekanntesten ist ihr Song "Über sieben Brücken", im Westen vor allem dank Peter Maffay, der ihn hier neu aufnahm und für Tantiemen in harten Devisen sorgte.
Einig mußten sich alle DDR-Künstler im Kampf um den Weltfrieden sein. Als im Westen gegen den Nato-Doppelbeschluß demonstriert wurde und Udo Lindenberg fragte, wozu denn Kriege daseien, wurde im Ostberliner Palast der Republik das Festival "Rock für den Frieden" installiert. Die Puhdys fürchteten im Titel "Das Buch" den nuklearen Weltuntergang, Karat das gleiche mit "Der blaue Planet", und Ute Freudenberg fragte bang "Wie weit ist es bis ans Ende dieser Welt?". Freudenbergs zweiter großer Erfolg war "Jugendliebe", ein hübscher Schlager, zu dem Verknallte gut tanzen konnten. Und der heute noch jedem Ex-DDR-Bürger im Ohr steckt.
Von Kap Arkona bis zum Fichtelberg gab es in den 80ern aufmüpfigere Gruppen wie Pankow oder Rockhaus, Gitarrenvirtuosen wie Hansi Biebel oder Jürgen Kerth. Die populärsten waren aber Puhdys, Karat und Ute Freudenberg, und so stehen sie nicht zu Unrecht am 14. August als Repräsentanten des Ostrocks auf der Stadtpark-Bühne. Nicht mehr dabei ist Herbert Dreilich, mehr als 25 Jahre lang die Stimme von Karat. Er starb im Dezember nach langer Krankheit. Sein Sohn Claudius, in Habitus und Stimme nah am Vater, wird ihn vertreten.
Ostrock-Festival: 14. August, Stadtpark, 15 Uhr. Karten zu 26,65 Euro im Abendblatt-Center Caffamacherreihe 1 (Axel-Springer-Passage) und in der Hagener Allee 3 A (Ahrensburg). Kartentelefon: 040 / 303 73 20.
http://www.abendblatt.de/daten/2005/08/08/468022.html |
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