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Mit einem Bein im zweiten Leben -Heather Mills


 
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AnyRoad69
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Anmeldungsdatum: 25.03.2005
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BeitragVerfasst am: 22.05.2005, 10:00    Titel: Mit einem Bein im zweiten Leben -Heather Mills Antworten mit Zitat

Das Fotomodell Heather Mills wurde von einem Polizeimotorrad überfahren und verlor dabei ein Bein. An der Seite ihres Mannes Paul McCartney beweist sie, daß es sich auch mit Prothese gut leben läßt
Es ist kalt in ihrer Stadt. Und es regnet. Heather Mills, 37, trägt offene Riemchenschuhe mit einem acht Zentimeter hohen Absatz. Das ist sexy und ein Statement. Sie muß nichts verstecken.


"Vamp" heißt der dunkelrote Lack auf ihren Nägeln unter den hautfarbenen Seidenstrümpfen. Schön sieht das aus. Perfekte Füße. Überhaupt: Heather Mills hat tolle Beine. Daß ihr linkes bis zum Knie eine Prothese ist, merkt man nur, weil sie offen darüber spricht.


Heather Mills erinnert sich genau an jede Sekunde ihres Unfalls: Sie war verliebt an jenem 8. August vor zwölf Jahren. Ein warmer Tag. Sie wollte rüber in den Park. Die Kensington Park Road war stark befahren. Zehn Schritte hätte sie gebraucht, um die Straße zu überqueren. "Dann kam dieser rote Doppeldeckerbus von rechts. Ein Polizeimotorrad überholte, zu schnell. Auf einmal schleuderte eine riesige Wucht meinen Körper weg." Als sie im Krankenhaus aufwachte, war ihr Becken zertrümmert, die Lunge gerissen und die Schädeldecke geplatzt.


Das abgerissene Bein lag luftdicht in Plastik verpackt in der Pathologie. Nach der letzten Untersuchung wurde das "medizinische Restmaterial", wie Pathologen Amputate nennen, in einem fest verschlossenen Gefäß verbrannt.


Heute wippen 1100 Gramm pedikürtes Silikon und Technik unter Heather Mills Londoner Schreibtisch: Modell C-Leg mit einem Mikrochip im Knie, der 50mal in der Sekunde den Gehstatus, also Schwung- und Standphase, analysiert. Tritt Heather Mills auf einen Bleistift, stellt sich das Knie auf die Unebenheit ein. Deshalb fällt sie nicht. Darüber ist eine Art hautfarbene Schaumstoffkosmetik gezogen, die dem Bein eine natürliche Optik gibt. Es faßt sich ein bißchen so an wie die "Haut" einer Barbiepuppe. Und es kostet etwa soviel wie ein gut ausgestatteter Golf: 25 000 Euro.


Heather Mills fährt sich durchs blonde, lange Haar. Keine Frau, der man ansieht, was sie durchlitten hat: Ihr Vater hat sie geschlagen, "bis wir Kinder durch die Fensterscheiben flogen". Er kam in den Knast. Mit acht Jahren wurde Heather Entführungsopfer eines Pädophilen. Sie war neun, als ihre Mutter bei einem Autounfall fast ihr Bein verlor. "An der gleichen Stelle, auch im Alter von 25 Jahren. So wie ich. Ist das nicht crazy?" fragt Heather Mills, ohne ihre Stimme zu heben.


Mit 14 floh sie nach London, hauste in Bahnhöfen und klaute, um zu überleben. Sie war 21, als ihre Mutter schließlich an den Folgen des Unfalls starb.


Statt an ihrem Unglück zu verzweifeln, hat all das Heather Mills zum Kämpfen herausgefordert. Sie hat ihrem Schicksal einen Sinn gegeben: Vorbild zu sein. Sie ist zu einer Botschafterin ihres Handicaps geworden. Seit über zehn Jahren setzt sie sich für Minenopfer ein sowie für die Säuberung von verminten Gebieten in Afghanistan, Vietnam, Kambodscha. Sammelt Spenden, fährt aber auch in die Krisengebiete, um mit den Opfern zu sprechen. "Viele denken erst mal: Ach, die hat doch keine Ahnung, wovon wir sprechen." Dann zeigt sie ihr Bein. "Und die Menschen vertrauen mir."


Fünf Sekunden braucht sie, um ihre Prothese abzunehmen, so wie andere Menschen aus einem Stiefel schlüpfen. "An, aus, das geht ruck, zuck", sagt sie. Nachts schläft sie ohne. "Und wenn ich auf die Toilette muß, krabbele ich auf allen vieren."

Ruhig und nüchtern erzählt sie das. So ist auch ihre Botschaft: "Du hast kein Bein. O.k. Mach das beste draus." Und das kommt an.


Hunderte Betroffene treffen sich inzwischen auf ihrer Webseite (www.heathermillsmccartney.com). Sue aus Kalifornien fragt: "Ich würde diesen Sommer so gern ans Meer fahren. Darf ich überhaupt schwimmen?" Und: "Wie kriegt man das Bein dann von innen wieder trocken?" Und Bob mailt zurück: "Es gibt wasserfeste Prothesen. Oder nimm dein Bein doch ab. Ich hätte nur Angst, daß es mir geklaut würde."


Heather Mills "designt" sogar Prothesen. "Ich weiß, wie das ist, wenn man sich häßlich fühlt. Mein erstes Bein war scheußlich und schwer. Ich konnte keine Röcke tragen, und im Sommer habe ich geschwitzt, weil ich es nicht abnehmen konnte." Da hat sie beschlossen, ihr eigenes zu kreieren. Immer mehr Menschen wollen nun auch so ein Bein. "Übrigens", sagt sie, "die besten Beine kommen aus Deutschland - von Otto Bock in Duderstadt."


Nach Deutschland kommt Heather Mills nun nächsten Samstag. Mit einer großen Charity-Gala in Neuss will sie Geld für ihre Kampagne Adopt-A-Minefield sammeln. Und bringt dazu prominente Unterstützung mit: ihren Mann, Ex-Beatle Sir Paul McCartney, 63.


Auf einer Charity haben sie sich auch kennengelernt. Damals stand sie auf der Bühne und hielt eine Rede - er war ein Fan im Publikum. "Paul fand meine Nummer heraus." Einige Monate sind sie nur umeinander herumgeschlichen - "sein altmodisches Werben war zauberhaft"; seit drei Jahren nun verheiratet. Sie haben eine 19 Monate alte Tochter, Beatrice, und leben zwischen London, Sussex, L.A. und New York. Ein Traumleben. Das Schicksal hat sich revanchiert.


Männer, sagt Heather Mills, hätten nie ein Problem mit ihrem Bein gehabt. "Eher werden sie zu Beschützern."


Dann bricht sie ab. Sagt, daß sie noch ins Gym muß, anschließend nach Eastbourne. "Allein in den letzten drei Wochen bin ich 16mal geflogen. Alle fünf Stunden bin ich irgendwo anders." Entweder ruft die Familie oder die Kampagne. "Ich bin einfach kein Mensch, der zu Hause sitzt und über sein Schicksal grübelt", sagt Heather Mills.
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